Was du von (d)einem Hund alles lernen kannst & wie dich das weiterbringen kann

Hundeliebe

“Ein Hund ist das einzige Lebewesen auf der Erde, was dich mehr liebt als sich selbst.”

So oder so ähnlich liest sich das romantische Zitat eines leidenschaftlichen Hundeliebhabers. Keine Frage, ich liebe meinen Hund (@samba.backstagedog) sehr, aber bei aller Liebe, dieses Zitat ist einfach nur romantisierender, menschlicher Blödsinn.

Falls du jetzt schon denkst “Autsch!”, dann lies bitte nicht weiter, denn es werden jetzt ein paar “knallharte Fakten” folgen.

Du liest immer noch?! – Okay, ich habe dich gewarnt.

Kurzer Hinweis: Der Einfachheit halber spreche ich im folgenden von “Hundi” (bzw. der Hund), wenn ich Hunde im Allgemeinen meine und von “Frauchen”, stellvertretend für alle Hundebesitzer. Selbstverständlich möchte ich damit weder weibliche Hündinnen, noch alle Herrchen da draußen diskriminieren oder ausschließen. Over and out.

1. Hunde sind egozentisch! 

Lass mich das obige Zitat einfach mal richtigstellen: “Ein Hund ist ein Lebewesen auf der Erde, ein Tier, welches seine persönlichen Bedürfnisse mehr liebt als alles andere.”

Hundi ist also in erster Linie daran interessiert seine persönlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Zu seinen Bedürfnissen gehören: Fressen, Spielen/ Jagen, Interaktion mit Artgenossen & individuelle Interessen (Schnüffeln, Rumrennen, Rumspringen, aus Pfützen trinken oder oder…) Man kann die Bedürfnisse des Hundes ganz leicht erkennen: es sind die Dinge, die er mit unermüdlicher Konsequenz jeden Tag zu erreichen versucht und die dich als Mensch oftmals nerven: z.B.  aufgeregtes Fiepen vor der Futtergabe, Theater vor jedem Spaziergang, Ziehen & Zerren an der Leine, um schnellstmöglich zur nächsten Wiese oder dem Hundekumpel zu kommen, penetrante Aufforderungen zum Spiel, Wegrennen im Freilauf uvm. – das bringt mich zum nächsten Punkt.

2. Hunde sind Meister der Beharrlichkeit!

Junge wird hinter Hund hergezerrtWenn das Fressen nicht schnell genug serviert wird, dann drängelt Hundi einfach lauter. Wenn Frauchen ohne ihn losziehen will, dann tut er seinen Unmut kund oder wirft sich winselnd vor die Tür. Wenn er draußen irgendwohin will, dann versucht er Frauchen dahinzuzerren, auch wenn er 778 Mal keinen Erfolg hatte. Egal, es könnte ja mal klappen! Einfach immer weiter, immer schneller, immer lauter – nie das Ziel (oder den Napf) aus den Augen verlieren!

3. Hunde sind geduldig & kreativ, wenn sie ein Erfolgserlebnis wittern! 

Frauchen hat ein Leckerchen aus dem Leckerlibeutel gekramt, Hundi setzt sich erstmal in freudiger Erwartung hin und wartet – und wartet – und guckt – und wartet… – Hm, passiert ja gar nichts. Vielleicht lieber ein kleines Kunststückchen? Und ehe man sich versieht präsentiert Hundi sein komplettes Repertoire an Tricks, in der Hoffnung irgendwas ist dabei, was Frauchen das Leckerli entlockt. Früher oder später klappt’s ja auch – Frauchen happy, Hundi happy.

4. Hunde sind nicht nachtragend.

In einem Moment ausgeschimpft und im nächsten Moment ist auch wieder alles gut. Hunde leben im Hier und Jetzt, sie nehmen einem die gelegentlichen Eskapaden nicht böse. Warum auch? Für sie ist das ganze Leben ein spannendes Spiel und jeder Moment birgt neue Eindrücke. Viel zu aufregend, um in der “Vergangenheit” hängen zu bleiben.

5. Hunde stellen sich taub, wenn es sich nicht lohnt!

Sitz Platz HierMan ruft und ruft, aber Hundi scheint es einfach nicht zu hören und schnüffelt unbeeindruckt an einer interessanten Stelle weiter. Man kramt lautlos in seiner Jackentasche und Hundi kommt wie der Blitz aus 30m Entfernung angeschossen und geifert nach der potentiellen Belohnung. – Noch Fragen?

6. Hunde nutzen deine Schwächen aus! 

Du bist heute besonders gut gelaunt und dadurch etwas nachlässiger in der Einhaltung der Grenzen – Ach, das “bisschen Ziehen” macht dir heute gar nicht so viel aus.

“Super!”, denkt Hundi und hängt nach und nach immer weiter vorne in der Leine, so dass dein Arm am Ende des Spaziergangs mind. 3cm länger ist.

7. Deine Inkonsequenz ist Hundis Triumph! 

Du bist es Leid Hundi immer und immer wieder von der Couch zu schubsen, du willst heute einfach mal deine Ruhe haben und die Beine lang machen. “Soll er sich doch einfach da hinlegen, dann ist wenigstens Ruhe”, denkst du. “Super, nerven lohnt sich!”, denkt sich Hundi. Wer nervt, der gewinnt.

8. Hunde sind Wiederholungstäter!

Was einmal geklappt hat, kann auch nochmal klappen. Sei dir sicher: von heute an wird Hundi noch intensiver versuchen die Couch zu erklimmen, wer weiß, vielleicht liegt er ja von heute an immer dort und macht sich nach und nach ein Stückchen breiter…

9. Hunde sind Stalker! 

Sie beobachten dich ganz genau und kennen dich irgendwann besser als du dich selbst kennst. Sie lesen deine Körpersprache und erfassen jede kleinste Veränderung. Dies nutzen sie natürlich zu ihrem Vorteil.

10. Hunde wollen Spaß, statt Ärger! 

Schneller HundHunde mögen keine Konflikte. Sie sind harmoniebedürftig und habe keine Lust auf Streitigkeiten. Konflikten versuchen sie lieber aus dem Weg zu gehen, in dem sie das Gegenüber beschwichtigen oder sich zurückziehen. Es kommt daher sehr selten zu (agressiven) Eskalationen.

Was können wir nun als Menschen daraus lernen?

Selbstachtung & Gegenwartsdenken

Natürlich möchte ich nicht behaupten, dass wir alle zu Egozentrikern werden sollten. Ein wenig mehr Selbstachtung, an der ein oder anderen Stelle, würde uns aber sicher gut tun.

Wir könnten uns z.B. fragen was unsere persönlichen Bedürfnisse sind und diese zu unserer Priorität machen. Wir könnten uns täglich an Kleinigkeiten erfreuen und den Moment genießen, ohne dabei ständig an unsere Verpflichtungen zu denken. Wie Hunde auch, könnten wir versuchen mehr in der Gegenwart zu leben und weniger in der Vergangenheit zu schwelgen.

Beharrlichkeit, Geduld & Kreativität

Wenn wir ein Ziel nicht sofort erreichen, dann könnten wir – statt gleich aufzugeben – einfach weiter daran arbeiten, wir könnten uns ein paar kreative Wege überlegen um ans Ziel zu kommen. Gute Dinge brauchen ihre Zeit, d.h. man muss lernen geduldig zu sein und darf nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, nur weil sich kein schneller Erfolg einstellt.

Weniger nachtragend sein

Als Mensch muss man oft einiges wegstecken. Man wird verletzt, beschimpft und enttäuscht. Klar ist man erstmal wütend, aber man muss es nicht bleiben. Wenn der erste Ärger verflogen ist und man die Sache mit einem kühlen Kopf betrachtet, dann könnte man es einordnen, abhaken und nach vorne schauen.

Gelegentlich auch mal “auf Durchzug schalten”

Den ganzen Tag Anweisungen, den ganzen Tag verfügbar sein – das zehrt ganz schön an den Nerven. Warum nicht einfach mal bewusst “auf Durchzug schalten”, das Telefon links liegen lassen, die ein oder andere Aufgabe “überhören” und sich kurz mal erfreulichen Dingen zuwenden?

Schwächen erkennen und als Stärken nutzen

Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen; eines Anderen Schwäche, kann deine Stärke sein. Wenn du andere aufmerksam beobachtest, dann kannst du, in möglichen Schwächen, eigene Stärken erkennen und diese zu deinem Vorteil nutzen. Damit meine ich keinen abwertenden Konkurrenzkampf! Wenn du z.B. einfach kreativer oder schneller bist als ein Anderer, warum solltest du diese Stärke nicht ausspielen?

Dranbleiben 

Manchmal nutzen wir, genau wie unsere Hunde, eine bestimmte Strategie um eine ganz bestimmte Sache zu erreichen und haben damit Erfolg. Klar, vielleicht hatten wir einfach Glück und beim nächsten Mal sieht das Ganze anders aus. Aber vielleicht klappt es auch ein zweites und drittes Mal? Wichtig ist natürlich eine aufmerksame Beobachtung und Analyse.

Beobachten, Einschätzen & Analysieren

Gerade in der Interaktion mit Menschen kann es nicht schaden sich mit Mimik, Gestik und Körpersprache auseinanderzusetzen. Oft sagen Menschen Dinge, meinen aber etwas ganz anderes. Das kann ganz schön verwirrend sein, aber mit einer guten Einschätzung der Verhaltensweisen kann man viel herauslesen, selbst wenn das Gegenüber etwas komplett anderes sagt oder sich in Schweigen hüllt.

Gelassenheit

Wer wird schon gerne (grundlos) angegiftet oder provoziert? Da kriegt man schon Lust demjenigen mal ordentlich die Meinung zu geigen! – Aber macht so eine verbale Konfrontation immer Sinn? Könnte es nicht angenehmer für alle Beteiligten sein, wenn es zu keinem Streit kommt und alle friedlich ihrer Wege gehen? Wenn wir, wie Hunde, das Leben mehr als Spiel erleben könnten, dann würden wir es wahrscheinlich auch mehr genießen.

 

Ich denke durch meine etwas zugespitzte Darstellung ist deutlich geworden, dass wir Menschen uns einiges von unseren Vierbeinern abschauen können und sie uns mehr lehren können, als wir auf den ersten Blick vielleicht erkennen. Das gilt natürlich nicht nur für die Betrachtung von Hunden, sondern für alles was uns umgibt. Wenn wir genau hinschauen, dann können wir in unserem gesamten Umfeld Potentiale erkennen und persönlich daran wachsen.

Teilt mir gern eure Gedanken oder eigenen Erfahrungen in den Kommentaren mit. Ich bin gespannt auf eure Meinungen!

4 thoughts on “Was du von (d)einem Hund alles lernen kannst & wie dich das weiterbringen kann

  1. Hallo Maria,

    das ist ein toller Artikel. Wie gelingt dir die Umsetzung dieser Erkenntnisse? Ich merke immer gerade in Stresssituationen oder wenn mein “Akku” ziemlich runter ist, gelingt es mir fast gar nicht, so etwas umzusetzen und zum Beispiel gelassen zu bleiben oder auf Durchzug zu stellen.

    Viele liebe Grüße,

    Miriam

    1. Liebe Miriam,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, Stress ist tatsächlich ein schlechter Begleiter – das kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich bin tatsächlich über die Stresssituationen zu dieser Betrachtungsweise gekommen; ich beschäftige mich viel mit Verhalten in unterschiedlichen (auch unangenehmen) Situationen und habe mich versucht von außen zu betrachten und zu reflektieren. Gerade wenn ich selbst gestresst bin, treffe ich schlechte Entscheidungen und verhalte mich anders als ich es mit einem kühlen Kopf täte. Im Nachhinein ärgert mich so etwas und ich frage mich was ich hätte anders/besser machen können. Gerade die “Konflikte”, die man mit Hunden hat beruhen auf Gegenseitigkeit und wir Menschen sind maßgeblich für das Verhaltensmanagement unserer Vierbeiner zuständig. Darin sehe ich die Lösung: wenn Stress zu schlechten Entscheidungen führt, dann muss ich meinen Stress beseitigen. Mir hilft da Struktur (übrigens wieder eine Parallele zu unseren Fellnasen): ich halte mich an Abläufe, ich automatisiere diese und das hilft mir einen ruhigen Kopf zu bewahren. Einfaches Beispiel: der Hund wirft sich bellend in die Leine, normalerweise würde mich das direkt stressen. Aber mein Ablauf: der Hund bellt, ich habe es im besten Fall schon kommen sehen (oder weiß dass es sowieso zwischendrin immer mal passieren kann -> ich bin vorbereitet!), ich greife die Leine kürzer, ich sage im ruhigen Ton “sitz” und die Sache ist wieder unter Kontrolle). Das kann man auf alle Bereiche des Lebens übertragen. Ein Ablaufplan hilft, es ist dein Anker.
      Hilft dir meine Antwort weiter? 🙂

    2. Hallo Miriam,

      eine Sache würde ich zu Maria’s Antwort noch hinzufügen. Mir geht es so, dass ich um gelassen bleiben zu können, meinen Akku wieder aufladen muss und gleichzeitig den Stress abbauen. Wenn ich grundsätzlich am Limit laufe, habe ich natürlich in Stresssituationen weniger Chancen, gelassen zu bleiben. Abläufe helfen, auch solche die sich einfach nur darauf beziehen, kurz tief durchzuatmen. Durch einen (oder mehrere) Atemzüge oder Momente der Besinnung gewinnt man manchmal die nötige Fassung und Kontrolle, um besser zu reagieren. Grundsätzlich ist es aber denke ich wichtig, Stress von vornherein kontinuierlich abzubauen und zu vermeiden.
      Für mich war schon immer die Musik/ das Musizieren ein wichtiges Mittel zum Stressabbau. Durch den Fokus auf diese eine Sache, welche keine anderen Gedanken zulässt, “entlade” ich meine (Stress-) Energie in die Musik und lade gleichzeitig meinen Akku wieder auf. Für manche ist diese Sache Fußball oder der Boxsack, für manche Meditieren, für wieder andere Teller gegen die Wand werfen ;-). Ich denke aber, dass jeder irgendetwas braucht, was ihm Spaß macht, wobei er abschalten kann und was seiner kompletten ungeteilten Aufmerksamkeit bedarf. Wenn es nicht anders geht, muss man diese Sache an einen Ort verlegen, an dem einen niemand stört (weder Smartphone noch Menschen etc.).
      Für mich ist dieses Abschalten übrigens sehr weit oben auf der Prioritätenliste. Es macht keinen Sinn, das Hobby, die Meditation oder die Auszeit der Arbeit unterzuordnen. Tatsächlich halte ich diesen “Tagesordnungspunkt” für mindestens genauso wichtig wie Zähneputzen, Essen, Trinken oder Ähnliches.
      Eine Sache die mir gerade spontan einfällt und sicher einen Versuch wert ist: Immer wenn der Smartphone- oder Tabletakku alle ist und man das Gerät an das Ladekabel hängt – einfach selbst auch eine 5-10 Minuten Auszeit nehmen.

      Grüße,
      Martin

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