Wieso du dankbar für Kritik sein solltest

Kritik hilft

Immer wieder fällt mir in meinem Umfeld auf, dass Kritikfähigkeit eine selten gesäte Eigenschaft ist. Seien es Freunde, die schnell beleidigt sind, wenn man mal anderer Meinung ist; Bekannte die an die Decke gehen, weil man einen konstruktiven Vorschlag macht oder gar Arbeitgeber oder Klienten, die keinen gut gemeinten Rat annehmen können/ möchten – die Liste an Emotionalität rund um das Thema “Kritik” ist sehr lang. Warum aber fällt es so vielen Menschen schwer Kritik anzunehmen? Warum suchen die meisten Menschen auf ihrem Weg immer nur Lob und Anerkennung, anstatt sich auch mal schmerzenden Wahrheiten zu stellen?

Gründe für Kritikunfähigkeit

Kritik kann einem kritikfähigem Menschen weh tun, auch wenn sie noch so vorsichtig formuliert ist – unter dem Strich bleibt leider immer das Thematisieren negativer Beobachtungen, zumindest wenn es aus dieser Perspektive betrachtet. Andererseits bietet Kritik aber auch die Chance auf Verbesserung und kann somit sehr hilfreich sein, wenn man in einer bestimmten Sache wachsen möchte.

Die Gründe für Kritikunfähigkeit sind vielfältig und wie bei vielen Dingen sind auch hier  die Auslöser in der Kindheit und Sozialisierung zu finden. Oft haben kritikunfähige Menschen ein sehr ausgeprägtes Bedürfnis nach Anerkennung und Bewunderung, verbunden mit einem sehr hohen Anspruchdenken. Hinter einem starken Schutzwall an Unnahbarkeit und narzisstischen Zügen, versteckt sich oft Verletzlichkeit, Angst davor Schwäche zu zeigen, Einsamkeit und ein fehlendes Selbstwertgefühl. Kritik wird per sé als Angriff gegen die eigene Persönlichkeit verstanden und durch einen Gegenangriff abgewehrt. Sehr oft sind leistungsorientierte Erziehung, fehlende emotionale Wärme, fehlende Grenzen, sowie die Einstellung, dass man Zuwendung nur durch bestimmte Leistungen bekommt schuld an mangelnder Kritikfähigkeit. Man wächst in dem Glauben auf seine Schwächen verbergen zu müssen; Schwäche ist für solche Menschen gleichbedeutend mit Ablehnung. Wer sich hingegen geliebt und angenommen fühlt hat in der Regel kein Problem mit Kritik.

Konstruktive Kritik ist gut und wichtig

Doch konstruktive Kritik ist wichtig und muss keineswegs (wie oft unterstellt) böse gemeint sein; im Gegenteil: gute Kritiker sind unverzichtbar, wenn man in einem Bereich voran kommen möchte.

Was nützt einem Lob von allen Seiten, wenn man ehrgeizig nach “Mehr” strebt? Nur wenn ich Kritik gegenüber aufgeschlossen eingestellt bin, kann ich meine eigene Leistung differenziert betrachten und an den Details feilen. Natürlich ist es wichtig gute Kritik von schlechter Kritik zu unterscheiden – und genauso wichtig ist es auch, sich nicht von jeder kleinsten Kritik gleich aus der Bahn werfen zu lassen. Eine gesunde Portion Selbstbewusstsein und eine realistische Selbsteinschätzung können dabei helfen, Kritik von subjektiver Meinung oder schlechter Absicht zu unterscheiden.

Achte auf die Metaebene

Auch die Metaebene von dir und deinem Kritiker ist ein wichtiger Faktor:

Wenn du selbst z.B. Künstler bist und ein bestimmtes Feedback zur Umsetzung deiner Werke einholen möchtest, dann ist es sinnvoll einen Künstler einer ähnlichen Sparte um Rat zu fragen. Wenn du aber daran interessiert bist wie deine Betrachter deine Werke wahrnehmen, dann solltest du Jemand fachfremdes um eine Meinung bitten.

Ich persönlich schätze gute Kritik sehr. Dabei mische ich sowohl Künstlerkritik- wie auch allgemeines Feedback gerne und gleiche Schnittmengen ab. Es ist immer wieder erstaunlich wie gut auch (selbsternannte) “Kunstbanausen” Unstimmigkeiten wahrnehmen, auch wenn sie vielleicht nicht genau sagen können was da “komisch” ist. Im musikalischen Bereich ist das sehr oft zu beobachten: auch vermeintlich unmusikalisches Publikum erkennt sehr wohl ob ein Musiker gut spielt oder die Töne an mancher Stelle nicht trifft. Es lohnt sich also besonders die eigene Zielgruppe um Feedback zu bitten.

Kritikfähigkeit kann man lernen

Was soll man nun aber tun, wenn man mit Kritik schlecht umgehen kann? Die gute Nachricht ist: man kann es üben und lernen!

Wichtig ist, dass man an seinem Selbstbewusstsein arbeitet. Man sollte sich in kritischen Situationen bewusst Zeit nehmen in Ruhe über die gesagten Dinge nachdenken; so läuft man nicht Gefahr vorschnell von seinen eigenen Gefühlen übermannt zu werden. Man kann dann in Ruhe darüber nachdenken, wie man die Kritik bewertet und wie man darauf reagieren kann.

Es kann auch helfen sich für die entgegengebrachte Kritik zu bedanken; zum einen signalisiert man seinem Kritiker, dass man seinen Einwand ernst nimmt und zum anderen erarbeitet man sich eine neue Einstellung, in der man sich selbst eingesteht, dass Kritik eine Chance sein kann. Man sollte nicht gegen Kritiker ankämpfen und nicht alles persönlich nehmen, sondern auf der sachlichen Ebene bleiben. Es macht mehr Sinn sich zu fragen, warum die Kritik geäußert wurde und was man für sich daraus lernen kann, als sich zu ärgern.

Gute und schlechte Kritik unterscheiden

Es ist auch wichtig sich von ungerechtfertigter Kritik und bösen Kritikern zu distanzieren. Schlechte Kritik erkennt man daran, dass die Kritik ohne argumentative Ebene und ohne Lösungsvorschläge geäußert wird, möglicherweise wird man sogar für etwas kritisiert für das man gar nicht verantwortlich ist. Böse Kritiker projizieren meist ihre eigene Unzufriedenheit auf andere und haben nur im Sinn den anderen niederzumachen, um von den eigenen Schwächen abzulenken. Es ist wichtig das zu verbalisieren und sich davon zu distanzieren. Konstruktive Kritik ist immer freundlich, empathisch und enthält einen gut gemeinten Lösungsansatz; der Kritiker bemüht sich um eine Art und Weise die nachvollziehbar ist und möchte verstanden werden.

Selbstwahrnehmung schulen

Um kritikfähiger zu werden sollte man sich nicht selbst bei jeder Kleinigkeit in Frage stellen – ein geringes Selbstwertgefühl und ein ausgeprägter Perfektionismus sind ein Anzeichen, dass man zu hart zu sich selbst ist. Eine gesunde Selbstwahrnehmung helfen dabei Kritik richtig einzuordnen; wenn ich meine Fremd- und Selbstwahrnehmung miteinander abgleiche, dann kann ich einschätzen ob die geäußerte Kritik gerechtfertigt ist oder ob es sich nur um eine Einzelmeinung handelt. Auch sollte man sich mit seinem eigenen, inneren Kritiker beschäftigen: jeder Mensch ist selbstkritisch, es ist jedoch wichtig, empathischer und mitfühlender mit sich selbst umzugehen – es nützt nichts sich selbst immer nur schlecht zu machen. Fehler sind normal, kleine Schwächen hat jeder – das sollte man akzeptieren und nicht ablehnen. Selbstliebe, Selbstannahme und ein positiver Glaube an dich selbst sind ein guter Start, um das Verhältnis zwischen dir und der Kritik zu verbessern – natürlich passiert dies nicht von heute auf morgen, aber in kleinen Schritten kannst du nach und nach zu einem entspannten, kritikfähigen Menschen werden.

Hast du noch Fragen zu dem Thema? Schreibe mir gern einen Kommentar.

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