Freigeist

Maria Chiariello

Je weiter ich reise, desto näher komme ich an mich heran.

Andrew McCarthy

Ein “Freigeist” ist per Definition ein Mensch, der traditionelle Werte diskutiert, eine aufgeklärte Denkweise vertritt und selbstbestimmt (=geistig unabhängig) agiert. Heutzutage wird damit vor allem die Intention assoziiert, sich eigenständig über persönliche sowie gesellschaftspolitisch liberale Werte zu identifizieren und auszudrücken. 

Ich kann mich sehr gut mit Begriffen wie “Freigeist”, “Querdenker”, “Freidenker”  o.ä. identifizieren. Ich bin mit traditionellen Wertvorstellungen aufgewachsen und habe früh festgestellt, dass ich nicht zu den Menschen gehöre, die diese einfach so hinnehmen. Meine eigenen Wertvorstellungen ließen sich nicht mit der katholisch-traditionellen Erziehung meiner Eltern vereinbaren – dafür war die Kluft einfach zu groß. Ich habe zu viel hinterfragt, zu wenig hingenommen und stand konventionellen Werten immer sehr kritisch gegenüber. Das hat sich bis heute nicht geändert. Ich vertrete die Auffassung, dass sich Werte ändern können, dass Denkmuster nicht in Stein gemeißelt sind und dass Prinzipien sich im Laufe der Zeit wandeln können. Diese Erkenntnis steht im absoluten Kontrast zu einer traditionellen Weltanschauung. Mich prägen Menschen, Orte & Erlebnisse – ich stehe Neuem stets neugierig und offen gegenüber. 

Auf Reisen zu sein bedeutet für mich lebendig zu sein. Es gibt für mich nichts erfüllenderes als neue Orte, neue Impressionen und neue Menschen kennenzulernen. Und es gibt für mich nichts schlimmeres als Stagnation und Eintönigkeit.

Die Sehnsucht nach “Abwechslung” hat mich schon immer begleitet. Bei mir blieb es nie lange gleich. Früher oder später musste was anderes her, da mir das “Alte” nicht mehr gefiel. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Lange halte ich es an ein und demselben Ort nicht aus – ich muss wenigstens zwischenzeitlich mal für ein paar Tage raus, damit ich neue Inspirationen tanken kann. Dann kann es wieder ein Weilchen am gleichen Ort weiter gehen, bis mir die Decke erneut auf den Kopf fällt, … und so geht es immer weiter. – So bin ich einfach.

Ich begeisterte mich schon früh für Fremdsprachen, gab schon als Schülerin anderen Nachhilfe und bin heute fünfsprachig. Ich habe schnell verstanden, dass Sprachen Tore zu “fremden” Menschen erschließen können. Ich werde nie vergessen wie ich als Kind mit meinen paar Brocken Schulfranzösisch endlose Gespräche mit einem gleichaltrigen Franzosen führen konnte. Ich war die Einzige die sich Mühe gab ihn zu verstehen und mit Händen und Füßen kommunizierte, während alle Erwachsenen schulterzuckend drumrum standen und abwechselnd “ich weiß nicht was der Junge mir sagen will” riefen. Es war weniger die Tatsache, dass sie ihn nicht verstanden, die mich traurig machte – es war mehr, dass sie es nicht versuchten. 

Auch heute versuche ich mir das zu bewahren. Ich höre Menschen gerne zu, versuche ihre Sorgen zu verstehen und wenn ich kann, dann gebe ich Ratschläge – nicht weil ich belehren möchte, sondern weil ich unterstützen möchte und weiß wie es ist, wenn man selbst mal einen Rat benötigt. Das ist es doch letztendlich was uns Menschen ausmacht: die Interaktion mit anderen Menschen. Wenn wir das aufgeben, dann bleibt uns nicht mehr viel Menschlichkeit.

Die Idealvorstellung meines Lebens ist ein Leben auf Reisen, immer der Nase nach, an neue Orte stolpernd. Ich möchte so lange wegbleiben können wie ich möchte, ohne Verpflichtungen und Ballast, der einen bindet und zurückhält. Ich möchte meine Kunst in die Welt hinaus tragen, losgelöst von irgendeiner Sprache und Mentalität. Ich möchte eine Handvoll guter Freunde auf der ganzen Welt verstreut, die ich bei meinen alljährlichen Stopps besuche. Ich wünsche mir lange, tiefgreifende Gespräche am Lagerfeuer, während mein Schatz im Hintergrund auf der Gitarre klimpert und wir über Gott und die Welt philosophieren. Ich will ein kleines Einöd, an dass man zwischenzeitlich zurückkehren kann, wenn einem danach beliebt. Ein eigenes, kleines Stückchen Land mit einem winzigen Häuschen drauf, in dem unsere wichtigsten Gegenstände ihren Platz finden und welches wir Zuhause nennen.

Dieser Traum begleitet mich nun schon seit einigen Jahren und ich arbeite täglich daran ihn zu erreichen. Dennoch erscheint er mir an manchen Tagen meilenweit entfernt, auch wenn er das gar nicht ist. Durch meine Selbstständigkeit habe ich die perfekten Voraussetzungen ortsunabhängig zu Arbeiten und potentiell kann ich meine Kunst überall ausüben, dennoch dauert es eine Weile sich so etwas aufzubauen und man kommt nur kleinschrittig voran, aber jeder Marsch beginnt mit kleinen Schritten. Wichtig ist es immer weiterzugehen. 

Seit einiger Zeit gehe ich endlich in die richtige Richtung! Ich habe in den letzten Jahren aktiv Ballast abgeworfen, ich lebe minimalistischer, so dass ich nicht so viel habe, was mich zurückhält. Die Kunstprojekte gehen immer mehr in eine nonverbale, visuelle Richtung – so dass sie international verständlich sind. Der PKW wurde vor nicht allzu langer Zeit vom Transporter abgelöst, der sich nun langsam in ein gemütliches, kleines Wohnmobil verwandelt. Unser Ausbau ist noch nicht fertig, aber so langsam nimmt er Gestalt an. Dies ist unser Start in ein neues Abenteuer.

Bald soll es raus und auf Tour gehen. Dann packen wir unsere sieben Sachen und verabschieden uns für ein paar Wochen: unsere Mission nennt sich HE♥ART- Tour. Es ist unsere Reise mit Kunst im Gepäck, welche wir auf die fernen Straßen bringen, um den Menschen ein Stückchen unserer Leidenschaft zu schenken.

Mehr Infos gibt es hier: hearttour.mitossi.net


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