Über Freigeister – und warum ich gern einer bin

Haare im Wind

Ein “Freigeist” ist per Definition ein Mensch, der traditionelle Werte diskutiert, eine aufgeklärte Denkweise vertritt und selbstbestimmt (=geistig unabhängig) agiert. Heutzutage wird damit vor allem die Intention assoziiert, sich eigenständig über persönliche sowie gesellschaftspolitisch liberale Werte zu identifizieren und auszudrücken. 
Ich kann mich sehr gut mit Begriffen wie “Freigeist” oder “Freidenker”  identifizieren. Ich bin mit traditionellen Wertvorstellungen aufgewachsen und habe früh festgestellt, dass ich nicht zu den Menschen gehöre, die diese einfach so hinnehmen. Meine eigenen Wertvorstellungen ließen sich nicht mit der katholisch-traditionellen Erziehung meiner Eltern vereinbaren – dafür war die Kluft einfach zu groß. Ich habe zu viel hinterfragt, zu wenig hingenommen und stand konventionellen Werten immer sehr kritisch gegenüber. Das hat sich bis heute nicht geändert. Ich vertrete die Auffassung, dass sich Werte ändern können, dass Denkmuster nicht in Stein gemeißelt sind und dass Prinzipien sich im Laufe der Zeit wandeln können. Diese Erkenntnis steht im absoluten Kontrast zu einer traditionellen Weltanschauung. Mich prägen Menschen, Orte & Erlebnisse – ich stehe Neuem stets neugierig und offen gegenüber. 
Auf Reisen zu sein bedeutet für mich lebendig zu sein. Es gibt für mich nichts erfüllenderes als neue Orte, neue Impressionen und neue Menschen kennenzulernen. Und es gibt für mich nichts schlimmeres als Stagnation und Eintönigkeit. Die Sehnsucht nach “Abwechslung” begleitet mich schon immer, bei mir bleibt es nie lange gleich.
Ich begeisterte mich schon früh für Fremdsprachen, gab schon als Schülerin anderen Nachhilfe und bin heute fünfsprachig. Ich habe schnell verstanden, dass Sprachen Tore zu “fremden” Menschen erschließen können. Ich werde nie vergessen wie ich als Kind mit meinen paar Brocken Schulfranzösisch endlose Gespräche mit einem gleichaltrigen Franzosen führen konnte. Ich war die Einzige die sich Mühe gab ihn zu verstehen und mit Händen und Füßen kommunizierte, während alle Erwachsenen schulterzuckend drumrum standen und abwechselnd “ich weiß nicht was der Junge mir sagen will” riefen. Es war weniger die Tatsache, dass sie ihn nicht verstanden, die mich traurig machte – es war mehr, dass sie es nicht versuchten. 
Auch heute versuche ich mir das zu bewahren. Ich höre Menschen gerne zu, möchte ihre Sorgen verstehen und möchte zeigen, dass sie damit nicht allein sind. Irgendwo sind wir alle Kinder, die uns danach sehnen verstanden zu werden. Die Interaktion mit anderen Menschen macht unser Leben aus. Wenn wir das aufgeben, dann bleibt uns nicht mehr viel Menschlichkeit.


Lust auf passende Themen dazu? Schau gern in meinen Blogrubriken

UNTERWEGS   PERSÖNLICHKEITSENTWICKLUNG   KUNST & BÜHNE